Das Interview Alain Farine - Blog - Kommunikation
02.02.2018

Das Interview Alain Farine

Direktor der Schweizerischen Vereinigung der AOP-IGP


Das Interview Alain Farine

Die Gesetzgebung AOP-IGP feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Eine Rückschau auf dieses Abenteuer mit Blick auf dessen Entwicklungsperspektiven.

 

Wie beurteilen Sie die 20-jährige Entwicklung der AOP-IGP ?
Hauptsächlich eine positive Bilanz. Das vor zwanzig Jahren festgesetzte Ziel der Branchen war es, die Identität und das regionale Erbgut aufrecht zu erhalten. Dies ist uns gelungen ! Unsere Studie zeigt langfristige Auswirkungen auf die verschiedenen Bereiche und Regionen. Ein Produkt spielt eine verbindende Rolle für seine Region. Die AOP-IGP ermöglichen ausserdem die Aufrechterhaltung und die Verbesserung des durchschnittlichen Qualitätsniveaus des Produkts, sowie seinen Schutz gegen Derivate, wie zum Beispiel ein Vacherin Fribourgeois-Erzeugnis mit Pfeffer...

Und aus wirtschaftlichem Standpunkt ?
Auch hier dürfen wir einen Erfolg verzeichnen. Die AOP-IGP ermöglichen eine Stabilisierung, oder gar eine Steigerung der Preise auf allen Gebietsebenen. Nehmen wir das Beispiel Milch : Der Preis für Industriemilch ist seit den 90er Jahren abgestürzt, der Milchpreis für Spezialitäten dagegen hat sich auf einem angemessenen Preis gehalten. Dann mussten Krisen wie die Subprimes und die Mindestkurspolitik durch die SNB durchgestanden werden. Trotz dieser Schwierigkeiten konnten die AOP-IGP-Produkte ihre Preise und Volumen sowohl im In- als auch im Ausland beibehalten (Ausnahme : der Emmentaler AOP).

Wie sind die Aussichten für die Zukunft ?
Die grösste Herausforderung besteht darin, dem starken Druck der technologischen Entwicklung entgegenzuwirken, d.h. die grundliegenden Aspekte des Produkts durch eine strenge Einhaltung des Pflichtenhefts zu bewahren. Man spricht von seiner Seele und seiner Geschichte. Es ist wichtig, dass es immer der Mensch ist, der entscheidet und produziert, obwohl uns die neuen Technologien gegenteilig beeinflussen. Ein weiterer Gesichtspunkt ist zudem die Änderung der Ernährungsgewohnheiten der Konsumenten, wie zum Beispiel die Nachfrage nach laktosefreien Produkten. Gehen wir das Risiko ein, als konservativ betrachtet zu werden indem wir uns weigern, die DAN des Produkts zu verändern. Hingegen sollten wir uns den Entwicklungen bezüglich Verkaufsförderung, Verpackung oder Art der Verwendung des Produkts anpassen.

Zurzeit gibt es 33 AOP-IGP-Produkte. Und in Zukunft ?
Ein Verfahren zur Erteilung einer AOP oder IGP ist zurzeit für 10 Produkte eingeleitet. Dies gilt für die Cuchaule der Region Freiburg. Für verschiedene Fleisch- und Bäckereiprodukte besteht eine echte Dynamik und ein grosses Potential. Im Verhältnis zur Bevölkerung besitzt die Schweiz die grösste Anzahl an AOP-IGP-Produkten Europas.

Erstaunliche Tatsache : Die meisten AOP-IGP-Produkte stammen aus der Westschweiz. Was machen die Deutschschweizer ? 
Das überrascht nicht besonders. Dies ist kulturell bedingt. Die Verbundenheit zu Geschmack, Hersteller und Erbe des Produkts sind von lateinischem Charakter. Es sind übrigens die Franzosen, die dieses Konzept erfanden. In den skandinavischen Ländern ist dieses Konzept sozusagen unbekannt. Bei uns in der Schweiz legen die Deutschschweizer viel mehr Wert auf Lebensmittelsicherheit, Umwelt und Bioprodukte und weniger auf Geschmack und Erbgut des Produkts.

Article paru dans le journal « Intensité » de l’Interprofession du Vacherin Fribourgeois
Propos recueillis par Eric Plancherel, Fédération Patronale et Économique


Die AOP-IGP in Zahlen (2016)